Malen. Eine schöne Freizeitbeschäftigung – für Kinder. Wenn Du so denkst, entgeht Dir ganz offensichtlich etwas. Wie wirkungsvoll diese Art von Kunst auch unseren Stress lindern kann, hat Dr. Stan Rodski, ein australischer Neurowissenschaftler, in seinen Forschungsergebnissen nachgewiesen. Sein Ergebnis: eine bestimmte Art zu Malen kann mindestens genauso wirkungsvoll gegen Stress helfen, wie Achtsamkeitsübungen.

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Wasserhahn läuft nach? Ursachen & einfache Lösungen

Rodski arbeitet seit über 30 Jahren mit sogenannten „Highpotentials“, wie beispielsweise Hochleistungssportlern und den Top-Führungskräften internationaler Konzerne. Menschen also, die unter enormem Zeit- und Erfolgsdruck – folglich – Stress stehen. Dr. Rodski hat für sie eine Methode entwickelt, die er „Colourtation“ nennt – und mit der er unglaubliche Erfolge erzielt.

Colourtation – „Malen nach Zahlen“ für Erwachsene

Dass Malen beruhigend wirkt, wissen wir alle. Haben wir uns erstmal darauf eingelassen, wird Malen zu einer meditativen Erfahrung. Sinnlich und fließend. Die langsamen, gleichförmigen Bewegungen lassen uns die Zeit vergessen. Wir gehen gänzlich auf, in diesem kreativen Prozess, sind schöpferisch und vergessen die Welt um uns herum. Und ganz nebenbei offensichtlich auch noch unseren Stress, zumindest – wenn es nach Dr. Rodski geht.

Malen kann uns in den Zustand des Flows bringen. Jenen glücklichen Zustand, in dem wir voll aufgehen im Augenblick. Und genau darum geht es auch Dr. Stan Rodski bei seiner Colourtation-Methode.

Seine Forschungsergebnisse über unsere Hobbys, über die ich in Ein Hobby kann dein größter Glückshelfer sein berichtet habe, legen nahe, dass wir uns dann am tiefsten entspannen, wenn wir uns weder unter einen zeitlichen, noch unter einen Leistungsdruck setzen. Das gilt übrigens für alle Hobbys – auch für die kreativen.

Rodski kombiniert in seiner „Colourtation-Methode“ Techniken der Achtsamkeit, wie bewusstes Atmen und Meditation, mit der von ihm erforschten und entwickelten Methode: dem gleichmäßigen wiederholen von Handlungen, die in immer wiederkehrenden Mustern ablaufen und über die wir die Kontrolle haben. Ein „Ausmalkurs“, der an „Malen nach Zahlen“ für Erwachsene erinnert – nur eben ohne Zahlen, sondern innerhalb grafischer Schwarz-Weiß-Muster. So banal es erstmal klingt, so wirksam scheint die „Colourtation-Methode“ zu sein.

Die Studie zur „Colourtation-Methode“

Rodski führte eine Studie mit über 500 Führungskräften durch. Zu Beginn klagten alle teilnehmenden Probanden über Stress. Und schlimmer noch: sie hatten das Gefühl, dass sie nicht mehr die Kontrolle über ihr Leben und ihre Arbeit hatten.

Die Probanden wurden in den Jahren 2013 und 2014 regelmäßig per Fragebogen zu ihrem subjektiven Stressempfinden befragt. Rodski und sein Team unterzogen sie zusätzlich eines jeweils 5-minütigen EKGs (Elektrokardiogramms) und eines HRV Tests (Heart-Rate-Variation-Tests) um das Zusammenspiel zwischen Sympathikus und Parasympathikus zu messen: Den beiden Teilen unseres Nervensystems, die, wenn sie nicht im Gleichgewicht sind, als Stressindikator gelten.

Rodski teilte die Gruppe in eine Kontrollgruppe ein, die ein „Standard-Achtsamkeits-Programm“ während der Studiendauer durchlief und eine weitere, die neben dem Achtsamkeitsprogramm seine „Colourtation“-Methode anwendete.

Das Ergebnis:

Am Ende der Studie hatten beide Gruppen gelernt, besser mit Stress umzugehen und ihren „Stresspegel“ signifikant zu reduzieren. Bei der Kontrollgruppe, die regelmäßig Achtsamkeitsübungen durchgeführt hatte, lag der Stresspegel immerhin um 28% niedriger als zu Beginn der Studie.

Bei der Gruppe, die zusätzlich zu den Achtsamkeits-Übungen die Colourtation-Methode geübt hatte, war der Stresspegel im Durchschnitt sogar um 46% gesunken.

Wie ist es möglich den Stresspegel durch malen zu senken?

Die Teilnehmer der Gruppe berichteten, dass die Colourtation-Methode einfach anzuwenden ist und leicht in den Alltag integriert werden kann. Darüber hinaus hatten alle Spaß am „ausmalen“ und fühlten sich jedesmal „sofort besser“. Wie sich herausstellte, war das „achtsame Malen“ für die Colourtation-Gruppe zu einer „Spaß-bringenden Gewohnheit“ geworden, der jeder von ihnen gerne nachging und sie deswegen auch regelmäßig ausführte.

Wie funktioniert die Colourtation-Methode?

Der Neurowissenschaftler Dr. Rodski erklärt das so:

So bald Menschen die Zeichnungen ausmalen, sehen wir, wie sich ihre Gehirnströme verändern. Ihre Gehirnströme werden zu diesen wundervollen, therapeutisch wirksamen Alpha-Wellen, die wir sonst nur bei Menschen beobachten, die in tiefer Meditation sind.

Dr. Stan Rodski

Fazit: Malen wirkt wie meditieren

Wer also schon immer Probleme damit hatte, sich mittels Meditation zu entspannen, sollte es mal mit malen versuchen. Statt stillzusitzen – einfach einen, oder gleich mehrere Stifte schnappen und Zeichnungen ausmalen. Offensichtlich macht uns das nicht nur zu kreativeren Menschen, sondern befreit uns auch noch nachhaltig von unserem Stress.

Nützliche Links:

Wer es ausprobieren will: Dr. Stan Rodski bietet auf seiner Webseite colourtation.com einige pdfs zum kostenfreien Download an. Diese ganz bestimmten, von ihm entwickelten Schwarz-Weißzeichnungen, sind nach dem Prinzip von Muster, Wiederholung und Fokus/Detail angeordnet. Rodski empfiehlt sie möglichst täglich mindestens 30 Minuten lang – auszumalen, dabei ganz im Moment zu sein – und tief zu atmen.

Wer tiefer in das Thema „Colourtation“ einsteigen will, Dr. Rodskis hat einige Bücher zum Thema veröffentlicht. In ihnen verbindet der Neurowissenschaftler unter anderem Musik mit Farbe, um eine beruhigende, meditative Umgebung zu schaffen und um Konzentration und Fokus aufzubauen.

Aber auch, wer daran interessiert ist, Probleme kreativer zu lösen und produktiver zu werden kann von seinen Forschungsergebnissen profitieren. Nebenbei werden auch immer die Themen Glück, Kreativität, Achtsamkeit und Gehirnbewusstsein angesprochen und eingeübt.

  • Modern Meditation: Colourtation – Repetition, Focus, Creativity
  • Colourtation – the New Meditation

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